USA 2025 – What’s left?

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  • Wahlnacht in Philadephia

    5.November, Tag der Wahl

    Aus gegebenem Anlass hier ein paar Zeilen kurz nach Mitternacht Ortzeit:

    Ein hochemotionaler Wahlabend liegt hinter uns. Nach einem Nachmittag in Downtown, beobachteten wir zunĂ€chst die letzten Minuten vor Schließung eines Wahllokals in UniversitĂ€tsnĂ€he – wo bis 5 vor 8 pm noch WĂ€hler zur Wahlurne hechteten.

    Anschließend kurz in einer ĂŒberfĂŒllten Kultkneipe im alten Stadtzentrum, die lStunden vor Mitternacht dann in einem ĂŒberfĂŒllten Off-Theater, einer Wahlparty der Demokraten. Überall war internationale Presse prĂ€sent. Von finnischen ĂŒber asiatische, bis hin zu etlichen arabischen Sendern waren Reporter:innen vor Ort, standen vor ihren Kameras und Handys, texteten und filmten die Ereignisse, kommentierten erste Prognosen.

    Zu dieser Stunde hat Amerika offenbar entschieden: Vier weitere Jahre Trump. Welche Konsequenzen dies in den nĂ€chsten Tagen, Wochen und fĂŒr die weitere Entwicklung weltweit haben wird, kaum abzusehen. Wir befĂŒrchten: keine Guten.

    Eines jedoch ist bereits jetzt deutlich: Dieser Wahlsieg Trumps basiert nicht auf einer mehrheitlichen Entscheidung aller Menschen dieses großen Landes fĂŒr eine republikanischen Regierung. Er basiert auf der Mehrheit im Rahmen einer WahlmĂ€nnerregelung des hiesigen Zwei-Parteiensystems. Ein elector in Kalifornien beispielsweise vertritt fast doppelt so viele WĂ€hlerstimmen wie ein elector in Montana. Abgesehen von diesem MissverhĂ€ltnis der zahlenbezogenen ReprĂ€sentanzen sind etwa nur zwei Drittel aller US BĂŒrger wahlberechtigt. Deren tatsĂ€chliche Wahlbeteiligung wiederum lag 2020 bei nur 66,6 Prozent.

    Morgen stehen Interviews zum Wahlergebnis an, das erste mit einem Pastor der Kirche gleich nebenan, die gestern als Wahllokal diente, vor dem sich schon ab 7 am lange Schlangen drÀngten. Vor ein paar Stunden noch herrschte hier Optimismus, waren sich die Menschen sicher, Harris könne die Wahl gewinnen.

    Die Überzeugungen und sozialen Interessen dieser Menschen haben auch morgen, an einem normalen Mittwoch, immer noch Bestand. In welcher Form die Gesellschaft mit den sich abzeichnenden, vertiefenden Spaltungen umzugehen lernt, bleibt offen.

    We keep you posted, auch weitere Bilder folgen morgen. Dieter and Diemut

  • Greyhound to Michigan

    30. Oktober, noch 6 Tage bis zur Wahl

    Greyhound, das war schon in den siebziger Jahren der Inbegriff fĂŒr cooles Reisen in einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Heute unser erster Elchtest bezĂŒglich dessen, was von dieser Legende noch ĂŒbrig ist – zumal neben dem Greyhound-Logo nun das von Flixbus prangt. Wer hat wen ĂŒbernommen? Der Ami-Traditionsladen den Deutschen Newcomer? Diemut gewinnt die Wette: Genau umgekehrt! Ob Trump das genehmigt hĂ€tte? Ist doch unamerikanisch, jetzt noch Greyhound zu fahren, oder? Unweit der nĂŒchternen Abfahrtsstation fĂŒr diese Langstreckenbusse befindet sich eine spektakulĂ€re Halle, Teil der Penn Station von 1904, fĂŒr die Dieter kurz vor unserer Abfahrt noch einen fotografischen Abstecher wagt. Sie ist Teil einer historischen Bahnhofshalle im Stile der Beaux-Arts Architecture und bietet Ă€sthetisch den maximalen Kontrast zur zentralen Abfahrtstation des Busunternehmens ein paar Meter weiter.

    Neben Diemut wartet ein junger Mann auf seine Verbindung nach Chicago. Er stammt aus Venezuela, ist eingewandert, nachdem er zuvor eine Zeit in Peru und Chile verbracht hat. Jetzt habe er einen Arbeitsvertrag fĂŒr eine Abrissfirma unterschrieben und fĂ€hrt zum Arbeitsantritt in eine Stadt, die er zuvor nie gesehen hĂ€tte. Er sei das Einzige von vier Kindern, welches jetzt das Land verlassen hat, um aus der Ferne Geld nach Hause zu schicken. Der Tageslohn in Venezuela, betrĂ€gt fĂŒr vergleichbare Arbeit derzeit drei Dollar – nicht ansatzweise ausreichend, um zu leben, geschweige denn, um den alternden Eltern Arztbesuche zu ermöglichen. „Es geht nur nach vorn“, sagt er, „never back“. So auch ein Wahlslogan von Harris. Sein Englisch ist gut verstĂ€ndlich, er habe schon in der Schule begonnen, diese Weltsprache zu lernen. Wenig spĂ€ter gesellen sich weitere spanisch-sprachige Reisende zu uns, er wechselt in Windeseile in seine Muttersprache.

    Mittlerweile ist unser Bus eingetroffen. Ein hagerer, entschiedener Fahrer kontrolliert Fahrkarten und GepĂ€ck, gibt humorvolle Ansagen im Lautsprecher durch: Pause in Cleveland, Ohio, Umstieg fĂŒr Reisende Richtung Detroit in Toledo. KlassenfahrtgefĂŒhle. Dieter setzt seinen Rucksack kurz auf einem Koffer ab. „Hey man – do you want to break my display? When you unpack your food, I’ll get the first bite. Or I’ll punish you! “ Wir lachen.

    Die erste Etappe verlĂ€uft ruhig. Das Businterieur ist bis auf’s Skelett abgerockt, Sitzpolster verschlissen, aus den Armlehnen bröselt der Kunststoff. Es scheint, als wĂŒrde der Konzern die letzten Dollar aus seinem mĂŒden Fuhrpark herauspressen. Entgegen unserer Vorstellung, wir wĂŒrden jetzt durch eine weitlĂ€ufige Felderwirtschaft reisen, reiht sich in den nĂ€chsten Stunden ein krĂŒppeliges WaldstĂŒck an’s nĂ€chste, FlĂŒsse fĂŒhren wenig Wasser, viele BĂ€ume sind blattlos und aschgrau. Ab und zu eine Kuh, ab und zu eine Farm, hier und da ein Maisfeld. Insgesamt keine Agrarwirtschaft im großen Stil. Dann ziehen gigantische Billboards vorbei, die fĂŒr Neubausiedlungen werben. Ein paar hundert Meter weiter vereinzelt schon ein paar der neuen HĂ€user in bisher unerschlossenem Umfeld. Wir passieren die Grenze des Bundesstaates, nun geht es durch Ohio. Alles bekannte Namen, ohne die kleinste Vorstellung, was sich dahinter verbirgt. Wenig spĂ€ter Ankunft in Cleveland. Fahrerwechsel. Auch die Weiterreisenden mĂŒssen alle aussteigen, der Bus wird gesĂ€ubert, ein neues Gate wird fĂŒr den Wiedereinstieg angegeben.

    Die Wartehalle von Cleveland entspricht noch perfekt meinen frĂŒheren, kindlichen Vorstellungen der Marke Greyhound: Wir kommen in einen Bau der spĂ€ten Sechziger, zwischenzeitlich wohl stillgelegt und nun improvisiert wieder zum Leben erweckt. Aber nicht saniert. Hier und da fĂ€llt Farbe von der Decke. SchriftzĂŒge an den WĂ€nden sprechen von besseren Zeiten, von mehr Bewirtung und Infrastruktur wĂ€hrend der Wartezeiten. Von klaren Vorstellungen der “ Damen und Herren“, die seinerzeit zu reisen pflegten. Jetzt sitzen nur wenige GĂ€ste in der Halle, mĂŒde ĂŒber ihre Handys gebeugt, die Abfahrt hat sich mittlerweile um ĂŒber 1 Stunde verzögert. Am Gate wartet ergeben eine Gruppe Mitreisender, die auf unsere Frage nach Ursachen der VerspĂ€tung schĂŒchtern mit den Achseln zucken. Wir gehen aus dem GebĂ€ude heraus und suchen den Bus, er kann ja nicht verschwunden sein. Vor dem Fahrzeug steht nun ein schwergewichtiger Fahrer, der einen agilen Kontrolleur der Company verfolgt, wie dieser das Fahrzeug umrundet, abwechselnd auf Reifen klopft, alle Klappen behende öffnet und schließt, Funktionen testet und im Stakkato dem Fahrer alles erklĂ€rt – ein offensichtlicher Neuling, der gerade angelernt wird und sich den Schweiß von der Stirn wischt.

    Wir fragen, der Kontrolleur hĂ€lt inne. Es gibt zwar noch was zu tun, aber OK, wir können unsere PlĂ€tze schon mal einzunehmen. „We‘ll start soon“. Da wir in den vorderen Reihen sitzen, verfolgen wir nun aus nĂ€chster NĂ€he, wie der Fahrer an seinem Platz eingewiesen wird. Leider passt er kaum zwischen Steuerrad und Sitz. Er meint zwar „passt schon“, der Kontrolleur aber widerspricht entschieden. Er solle seinen Sitz doch vernĂŒnftig einstellen. Der Fahrer findet nicht die entsprechenden Knöpfe. Der Kontrolleur kontert, diese Knöpfe seien gar nicht mit der Hand zu bedienen, sondern mit dem Fuß! Der Fahrer quĂ€lt sich ein weiteres Mal hervor, tupft die schweißnasse Stirn, wĂ€hrend der Kontrolleur mit sicheren Handgriffen und einem zusĂ€tzlichen Schaumgummikissen den Platz fĂŒr den fĂŒlligen Fahrer herrichtet. Nach weiteren zwanzig Minuten steigen auch die geduldigeren FahrgĂ€ste an Bord. Der Kontrolleur, zieht seine Jacke aus und legt sie auf den Vordersitz. Es scheint als wĂŒrde er die Tour begleiten, wir Zeugen einer nĂ€chtlichen Fahrstunde Richtung Westen. Beunruhigend und beruhigend zugleich. ZunĂ€chst sollten wir doch erst einmal losfahren. Auf den ersten zehn Metern Parkplatz setzt der Fahrer den Bus hart gegen eine grĂ¶ĂŸere Betonkante. Jetzt verliert auch der Kontrolleur etwas die Geduld. Wieder zurĂŒck auf Start, aussteigen, die betroffenen Wagenteile kontrollieren. Aufatmen, als sich endlich die Schranke des Parkplatzes hebt. Wir bangen nun um unseren Anschluss.

    WĂ€hrend der folgenden Fahrt glĂ€tten sich miles after miles die Wogen, mischen sich diffus die Obertöne der weiblichen Stimme aus dem Navi mit zunehmend entspannterem Bass zwischen SchĂŒler und Lehrer, draußen gleiten die Lichter des Highways. Zeit endlich etwas auszuruhen.

    Toledo, umsteigen. Wir haben sogar gut aufgeholt und Zeit fĂŒr eine StĂ€rkung. Unser Busfahrer verlĂ€sst als einer der ersten die Theke des Subway, den Arm voll mehrere TĂŒten belegter Baguettes und einem Softdrink der GrĂ¶ĂŸenordnung, wie sie bei uns nicht mal in Kinoketten ausgeschenkt werden. Die Übergewichtigkeit vieler Amerikaner:innen lĂ€sst sich beim besten Willen nicht wegsehen. Lebensmittel zu erwerben, die noch nicht durch eine unĂŒbersichtliche Maschinerie bis zur Unkenntlichkeit weiterverarbeitet sind, das setzt Bildung, ein höheres Einkommen, Zeit sowie Kochkenntnisse voraus. Etwas wozu die die Mehrzahl der Menschen hier im Land keinen Zugang hat. Und im vorherrschenden Angebot der SupermĂ€rkte sind „gesunde“ Lebensmittel selten bis gar nicht erhĂ€ltlich.

    Der Rest der Fahrt gleicht einer Nachtlinie im Ruhrgebiet. RĂŒdere Töne, Pöbeleien am Eintritt, der Fahrer verweigert einer Frau die Weiterfahrt, die offensichtlich ĂŒber keinen gĂŒltigen Fahrschein verfĂŒgt. Im Losfahren steuert er seiner Sorge ĂŒber mögliche schlechte Bewertungen der Fahrt mit einem Statement ĂŒber den Lautsprecher entgegen. „Sie haben das alles ja hier gerade mitbekommen, die Beschimpfungen
“ Die Luft ist geschwĂ€ngert von Erschöpfung mit einer WĂŒrze Verwahrlosung.

    Detroit. Der Bus lĂ€sst uns hinaus und nimmt seine Fahrt nach Chicago auf. In der Wartehalle steht ein halbnackter Mann, er wechselt gerade seine Hose. Die ausgezogene liegt voller Kotze auf dem Wartesitz neben ihm. Vor ihm steht eine offene KĂŒhlbox, sie seine EssensvorrĂ€te beherbergt. Neben ihm Schlafende, es ist nicht ersichtlich, ob sie sich wegen einer Busfahrt hier aufhalten, oder die Wartehalle ihre gewohnte nĂ€chtliche Herberge ist.

    Das Taxi fĂ€hrt los, ohne das Taxometer zu aktivieren. Dieter fragt nach. Der Fahrer erklĂ€rt uns etwas von Flatrate, von Detroiter Preisen und das die Fahrt mit offiziellem ZĂ€hler deutlich teurer wĂŒrde. Die Fahrt indessen dauert fĂŒnf Minuten. 30 Dollar, er wedelt mit seinem Handy, auf dem er die Ziffer 47 aufgerufen hat. Das wĂ€re der eigentliche Tarif. Wir geben auf. Don’t cry over spilled milk. Unsere Wohnung liegt in einer Art Hochsicherheitstrakt mit drei durch Handauflegung zu aktivierenden Zahlenkombinationsschlössern. Das offensichtlich historische Haus ist umgeben von breiten Ausfallstraßen, ausladenden Parkingslots. In der Ferne ĂŒberragen FabrikpalĂ€ste des frĂŒhen letzten Jahrhunderts die ansonsten flachen und in die Breite verstreuten Neubauten. Wir ahnen, was es heißt: Autostadt Detroit.

  • Canvassing

    29. Oktober, 7 Tage vor der Wahl

    Im dritten Stock eines mit Marmor ausgetĂ€felten Treppenhauses, typisch fĂŒr HochhĂ€user der 1950er Jahre in Downtown, geht es zur Zentrale einer der hiesigen Gewerkschaften: SEIU. Natalie? Just a moment. Die Frau an der Rezeption lĂ€sst uns eine Weile allein. Genug Zeit, eine Schokolade aus dem Halloween-Körbchen zu nehmen und die vielen Tafeln im Entree zu studieren. Aufrufe, historische Errungenschaften der Unity’s sind hier zu sehen. Bemerkenswert, dass gerade im Kontext sozial engagierter Organisationen die sonst so bildmĂ€chtige, visuelle Sprache von Kunst und Werbung allzu hĂ€ufig harmlos-naiven Bildmotiven weicht. Was auch mit dem Problem zu tun hat, dass sich bildende KĂŒnstler:innen mit anatomischer Darstellung von Menschen hĂ€ufig schwertun – Menschen fĂŒr soziale Themen aber zentral sein sollten … . Die gemalten Plakate muten an wie aus den 1970er Jahren entlehnt, einen Hauch gestrig.

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    Natalie begrĂŒĂŸt uns herzlich, es ist ihr anzumerken, mĂ€chtig unter Strom zu stehen. Ein angeregtes GesprĂ€ch unter den schon startbereiten Kolleg:innen erfĂŒllt den Raum mit Gemurmel. Rund zwanzig Menschen werden fĂŒr diese Tour von TĂŒr zu TĂŒr heute dabei sein. An der Wand zeigen zwei große Screens Nummern der jeweiligen Bezirke und die zugeordneten Zweiergruppen.

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    „Steve und Marla, these are your guides for today” stellt Natalie uns die beiden vor. “They both are the most experienced in canvassing”. Steves entschiedene, konkrete Einweisungen, Marlas humorvolle und warmherzige Offenheit machen uns den Einstieg leicht, sie nehmen unser Interesse als WertschĂ€tzung ihres Engagements auf. Formsicher fĂŒhrt uns Steve in die versammelte Gruppe ein und bittet seine Kolleg:innen, sich ihrerseits vorzustellen. Das Mikrophon kreist: Einige schon seit ĂŒber 20 Jahren gewerkschaftlich aktiv, die meisten zwischen fĂŒnf und 15 Jahren; knappe Einblicke in Erfahrungen beim „knocking on doors“, einige sind schon seit Monaten, andere einige Wochen dabei; viele der Statements von Emotionen getragen. „Motivation“ wĂ€re ein zu schwaches Wort fĂŒr ihr zeitaufwĂ€ndiges, nicht immer gefahrloses Engagement. Der Aufbruch in die verbleibenden Stadtteile ist eine wahrhaftige Herzensangelegenheit, getragen vom brennenden Wunsch, in diesen letzten Tagen vor der Wahl das „Schlimmste zu verhindern“, komme was wolle. Canvassing kann beginnen. – Mehr zur politischen Idee und zum konkreten Vorgehen beim Canvassing unter dem folgenden Link. Das Video vermittelt auch Einblicke in den sozial-politischen, lokalen Kontext der frĂŒheren Stahl- und Bergarbeiterstadt Pittsburgh.

    Das verfĂŒgbare Datenvolumen unserer Handys ist endgĂŒltig aufgebraucht, ohne jede InternetunterstĂŒtzung sind wir nun auf menschliche Hilfe angewiesen, um zurĂŒck zu unserer Wohnung zu gelangen. Eine junge, dynamische Frau hilft uns weiter, auf deutsch. Sie studiere hier an einer der UniversitĂ€ten Management, ursprĂŒnglich hĂ€tte die Liebe zum Sport sie in die USA verschlagen. Zielsicher nennt sie uns einen Mobileladen um die Ecke, wo sie ihrer Mutter fĂŒr deren Besuch auch eine amerikanische Karte hat einrichten lassen. „No problem“ nuschelt die einsam hinterm Tresen sitzende Angestellte und schluckt den letzten Bissen ihres improvisierten lunch hinunter. WĂ€hrend Dieter sich beraten lĂ€sst, stĂŒrzt eine beleibte Frau ins GeschĂ€ft: „7 Day’s left guys“, ruft sie in die Runde und lĂ€sst sich auf einen der Hocker fallen. „May I charge my phone, Madam?“ Sie trĂ€gt eine magentafarbene Weste und ist ebenfalls in Sachen Canvassing unterwegs. Mit dieser Farbe wĂŒrden jene gekennzeichnet, die ausschließlich fĂŒr Mobilisierung und UnterstĂŒtzung bei der Registrierung unterwegs sind. Dabei darf keine der Parteien genannt oder gar beworben werden. Busladungen von Menschen aus Michigan seien fĂŒr diesen Job nach Pittsburgh gekarrt worden. Reise und Hotel wĂŒrden bezahlt, viel Geld in die Hand genommen, much money. Nur, um die Menschen zur Wahlurne zu bewegen. Ob sie bereits gewĂ€hlt habe? Sie hĂ€tte vor ihrem Umzug nach Kalifornien bewusst ihre Ummeldung dorthin verzögert, um nicht in eine administrative LĂŒcke zu geraten, in der ihre Stimme dann womöglich verfallen wĂ€re. Am 5. stehe sie schon um 6 am vom Wahllokal, anschließend sei sie mit ihrer Tochter weg, ab in den Westen.

  • The Communist

    28. Oktober, noch 8 Tage bis zur Wahl

    Heute ist die Ruhe vor dem Sturm. FĂŒr Morgen haben wir die BestĂ€tigung bekommen, uns an der Seite von GewerkschafterInnen an einem Canvassing-Einsatz beteiligen zu können. Also höchste Zeit, heute alles fĂŒr unsere anschließende Weiterfahrt nach Detroit zu regeln. Reise, Unterkunft, weitere Termine, EinkĂ€ufe fĂŒr die Fahrt. Vor dem Supermarkt steht in der DĂ€mmerung ein Duo mit einem Pappkarton in den HĂ€nden. Darin die neueste Ausgabe der Zeitschrift „The Communist “ Von Weitem erinnern sie – in Zivilkleidung und damit im Kontrast zu den poppig uniformierten Westen der offiziellen Wahlkampagnen – an unsere Erwachet! VerkĂ€ufer am Bahnhof. Die beiden sprechen alle Kunden, die hinaus- oder hineingehen persönlich an. Ihr Appell lautet, keine der beiden Parteien zu wĂ€hlen, Stimmzettel ungĂŒltig machen! Jeff, Vollbart, lĂ€ngere Haare, also Stereotyp des BerufsrevolutionĂ€rs, argumentiert wie mit internalisierten Zitaten aus dem „Kapital“. Ob ich eine Zeitung kaufen möchte, 5 Dollar. Leider kein Wechselgeld. Ich verspreche, nach dem Einkauf mit den passenden Scheinen zurĂŒckzukommen und lege das schmale BlĂ€ttchen zurĂŒck in den Pappkarton. War das jetzt einer der Kommunisten, vor denen Trump seine WĂ€hler warnt?

    Im Supermarkt bin ich mit meiner Einkaufsliste verloren. Im Regal steht 3 Meter Ware mit dem Vermerk „Oat“ auf der Packung, aber schlichte Haferflocken – ohne Candy, Cinamon oder gar einer Aufbereitung als Backmischung – sind einfach nicht zu haben. Ein Ă€lterer zahnloser Mann mit dicht tĂ€towierten Armen faltet in der NĂ€he Pappkartons zusammen. Er arbeitet hier auch nach der Verrentung tĂ€glich weiter, es mache ja keinen Sinn zuhause DĂ€umchen zu drehen. Außerdem, bei der königlichen Bezahlung hier 
 Er lacht laut und fĂŒhrt mich wie ein Scout zu KĂŒchenmesser, Feuerzeug, Rosinen und anderen relativ unaufgeregten Produkten, die zu finden mich hier Stunden gekostet hĂ€tte. Nein, wĂ€hlen ginge er nicht. Die da oben wĂŒrden sich eh nicht fĂŒr Menschen wie ihn interessieren oder gar ins Zeug legen. Er hĂ€tte bis unten nach Texas in vielen Staaten der USA gearbeitet, aber ĂŒber den „big ocean“ hĂ€tte er es nie geschafft. Zuviel Angst vor dem Wasser. In Amerika wĂŒrde man sich bis heute an das Schicksal der Titanic erinnern und: in ein Flugzeug steigen, no way. Aber weiter davon trĂ€umen, das tĂ€te er schon. Gestern, erzĂ€hlt er mir begeistert, gestern hĂ€tte er sich zwischen den Regalen bereits mit einem Australier unterhalten. Und heute Germany. Fast ein „run“. Er ist sehr zufrieden, verabschiedet sich ĂŒberschwĂ€nglich. An der Kasse herrscht Stress, die VerkĂ€uferin ist nicht an ihrem Platz, wird mehrfach ausgerufen. Auf meine Beschwichtigung „no stress“ hin faucht die Vorarbeiterin, den Stress den wĂŒrde sie bekommen, da sie fĂŒr die Reibungslosigkeit der Kassen verantwortlich gemacht wĂŒrde, und die Abwesende wĂ€re unglĂŒcklicherweise „ihre“ Kassiererin. WĂŒtend schwenkt sie sich selber hinter die Kasse und knallt die Summen in die Tasten. Der Druck von oben fĂ€hrt selbst mir in die Knochen. Ob hier wohl Kameras installiert sind? Die Kommunisten vor der TĂŒr sind mittlerweile verschwunden. Der VerkĂ€ufer hat mir fĂŒr den Kauf von Bier eine Eckkneipe empfohlen. Bei meinem Eintritt flimmert auf vier ausladenden Großbildschirmen gleichzeitig die SimultanĂŒbertragung eines Baseballspiels. Die breiten, ineinander verkeilten Schultern erhellen flackernd mit ihren schneeweißen Shirts den ansonsten schummrigen Raum. Am Tresen sitzen nur vereinzelt MĂ€nner, hinter der Theke hantiert eine hagere Frau Mitte dreißig mit leeren Flaschen. Ich frage nach hiesigen Biersorten, sie ertastet anhand der ihr gelĂ€ufigen Importprodukte meine Geschmacksrichtung. Heinicken? Stella? Becks? OK, I’ve got an idea for you. Sie packt ein ortstypisches Sixpack aus sechs Sorten, derweil plaudere ich mit dem jungen Mann neben mir. Er hat seinen Wahlzettel bereits abgegeben. Jetzt vermeidet er konsequent jede Form von Nachrichten. Man kann eh nichts Ă€ndern. Angst aber macht das alles dennoch. Have a nice Evening. You too. Die Temperaturen auf dem Heimweg gleichen denen eines Augustabends. Grillen zirpen. In der Ferne glitzert Downtown.

  • Save us from Crime

    27. Oktober, noch 9 Tage bis zur Wahl

    Heute nehmen wir uns Zeit fĂŒr Organisation und Aufarbeitung. Zumindest am Abend muss etwas Warmes her, unsere Bleibe hat keine KĂŒche. Die Fox-Pizza-Filiale um die Ecke bietet Pizzas bis zum XXL-Format.

    Die WĂ€nde sind dekoriert mit Danksagungen von Baseballmannschaften an den Sponsoren: Fox Pizza subventioniert den Sport, auf den diese Stadt ganz besonders stolz ist. Es gibt kaum Laufkundschaft, dennoch herrscht große GeschĂ€ftigkeit. Der Großteil wird online bestellt.  Beim Kassieren des Kunden vor uns entdecken wir auf dem Tresen eine ungewöhnliche, ĂŒberdimensionierte Spardose mit der Aufschrift:

    YOUR TIPS help keep us from a life in CRIME.

    Die Zahlung des Kunden geht nicht vollstĂ€ndig in die Kasse. Vielmehr zweigt der PizzabĂ€cker einen Teil des Zahlbetrags ab, und steckt ihn als „Tip“ in den handgeschnitzten Schlitz der Plastikdose. Falls der Kunde selbst ein Trinkgeld gibt, wirft er es zusĂ€tzlich in die Dose. Auf die Frage, was es mit diesen, aus dem regulĂ€ren Umsatz generierten „Eigenspenden“ auf sich habe, berichtet er: Am Ende des Arbeitstags wĂŒrde der Inhalt der Spardose unter den Angestellten geteilt.

    Wie ist das zu verstehen? Was immer das KalkĂŒl des Arbeitgebers sein mag: Faktisch sorgt er zum einen dafĂŒr, dass der (wahrscheinlich geringe) regulĂ€re Lohn aufgebessert wird, jedoch, und das ist der Kniff, quasi außertariflich, also ohne vertraglich gesichert zu sein. Zweitens ist dieser Zuverdienst an den Umsatz gekoppelt, an schlechteren Tagen ist automatisch auch der „Tip“ schlechter. Und drittens erhöht sich damit fĂŒr die Angestellten eine psychologische Barriere gegenĂŒber eventuellen Versuchungen, sich ab und an individuell selbst an der Kasse zu bedienen. Oder besser gesagt: Das Arrangement soll gemĂ€ĂŸ der Auschrift auf der Dose helfen, die PizzabĂ€cker vor einem Abstieg in die KriminalitĂ€t zu bewahren.

  • Community Forge

    26. Oktober, noch 10 Tage bis zur Wahl

    Dieter checkt morgens seine E-Mails. Immer noch keine Reaktion von den angeschriebenen Organisationen. Einerseits hĂ€ufen sich die aufzuarbeitenden EindrĂŒcke der letzten Tage. Andererseits kommt uns ein Tag ohne weitere Interviews und Begegnungen vor wie ein verlorener Tag. Die Zeit drĂ€ngt. Dieter studiert die aktuellen Veranstaltungstermine der DSA Pittsburgh. Vielleicht sollten wir einfach hingehen, um vor Ort ins GesprĂ€ch zu kommen. FĂŒr Nachmittag ist eine FilmvorfĂŒhrung in der „Community Forge“ angekĂŒndigt, einer Schmiede fĂŒr Gemeinschaft. Klingt vielversprechend.

    Aber ein langer Weg, wir mĂŒssen unmittelbar aufbrechen, kein Einkauf, kein Lunch. Eine gute Stunde fĂ€hrt uns der Bus mit unzĂ€hligen Stopps durch verschiedenste Vororte Pittsburghs. ZunĂ€chst werden die HĂ€user auf der Strecke immer kleiner, stehen gedrĂ€ngter, wirken zum Teil heruntergekommen. Je höher sich der Bus in Serpentinen auf die Berge hinaufschraubt, desto großzĂŒgiger und wohlhabender aber wird die Bebauung. WeitlĂ€ufige GrundstĂŒcke und GrĂŒnanlagen. Hier steht in fast jedem zweiten Vorgarten selbstbewusst eines der typischen blauen Wahlschilder. Harris/Walz. Manchmal sind die Wegestrecken sogar lĂŒckenlos.

    Eine klassische Nadel der Jahrhundertwendebauten ragt in den blauen Himmel. Zitate gotischer Bauelemente vermitteln dem damaligen wirtschaftlichen Aufstieg fast religionsĂ€hnliche ZĂŒge.

    Beim Aussteigen Orientieren wir uns an der zweiten NamenshĂ€lfte der angegebenen Station – offensichtlich falsch. Der Bus fĂ€hrt weiter und lĂ€sst uns inmitten einer verlassen wirkenden Gegend zurĂŒck. Hier soll die angegebene Veranstaltung stattfinden? Ein Restkontingent mobiler Daten zeigt im Handy an, dass wir richtig sind. Rechts und links stehen verlassene HĂ€user.Was am Anfang nur skurril wirkt, entpuppt sich als dramatischer, ortsĂŒbergreifender Leerstand. In manchen der Straßen ist fast jedes zweite Haus verfallen, auf den Veranden stehen noch die Reste, die auf einstige Bewohner verweisen: verlassene PlastikstĂŒhle, verrostete Grill, abgebaute SatellitenschĂŒsseln. Teils sind die VordĂ€cher schon elegisch zusammengesackt, zerschlagene Scheiben, in den VorgĂ€rten verrottet der MĂŒll.

    In diesem Viertel leben offensichtlich grĂ¶ĂŸtenteils Black People. Hier und da sitzen sie in Gruppen auf den Veranden zusammen, und verfolgen genau, was wir fotografieren. Grasschwaden liegen in der Luft. Manche grĂŒĂŸen lautstark ĂŒber die Straße. „How are you doing, man?“ We are fine 
 Aber lieber nicht stehen bleiben, die AtmosphĂ€re ist schwer zu greifen. Vor einem der noch bewohnten HĂ€user sitzen zwei MĂ€nner bei Hotdog und Bier auf der Veranda. Hier wird die uns zugerufene Frage schon konkreter: „Are you Investors?“ Auf diese dezente Provokation hin halten wir einen Moment inne. Beide erheben sich intuitiv von ihren StĂŒhlen, kommen nĂ€her. Eine emotionale Unterhaltung beginnt. Leatherface, Mitte 50, mit leicht glasigem Blick, sichtlich angetrunken, ist hinsichtlich der Wahl deutlich pessimistischer als sein Freund. Zwar gingen diesmal mehr Leute wĂ€hlen als je zuvor, aber ernsthaft: welchem der Politiker könne man denn heute noch trauen? None of them. Insbesondere nicht den Jungen, weil sie keine Achtung vor den Ă€lteren Menschen, selber kaum nennenswerte Lebenserfahrung haben. Um ein Land gut zu regieren, dafĂŒr mĂŒsse man den VĂ€tern und den GroßvĂ€tern zuhören. Lernen, was deren Herausforderungen einst waren und wie sie es gemeistert haben. Stattdessen herrsche heute Korruption, Arroganz und Geld.  Warum die HĂ€user alle leer stehen? Die Menschen ziehen weg, sie sind alt, sterben, die Gegend wird zu teuer, die HĂ€user verkauft. Wahrscheinlich werden die meisten von ihnen abgerissen werden neue, wesentlich teurere gebaut. Alles am Ort der Kindheit, der Familiengeschichte ist dabei, sich massiv zu verĂ€ndern. Unaufhaltsam. „Noch bleiben wir hier“ sagt der andere und deutet auf das Haus der gegenĂŒberliegende Straßenseite. „Dort in dem Haus bin ich großgeworden. Seht ihr, aus dem Fenster schaut mein Vater. (Er winkt.) Sicher fragt er sich, mit wem wir hier sprechen (lacht). Ich konnte damals mein Haus hier erwerben, nur weil es auch schon eine gute Weile leer stand. Wie lange wir noch hierbleiben können, ist sehr fraglich“.

    Wir fragen die beiden, was wohl passiert, wenn Trump die Wahl gewinnt. „There will be war, civil war“ platzt es heraus. „Trump hetzt die Weißen gegen uns Schwarze auf, und das, obwohl es jetzt schon sehr, sehr schwer fĂŒr uns ist. „You have really no idea, how hard live is for us, for black people“.

    Sie kommen auf uns zu sprechen, und wie es scheint, hat fast jeder, mit dem wir uns unterhalten, irgendeinen persönlichen Bezug zu Deutschland. Hier ist es eine Beziehungsgeschichte: Drei Jahre wĂ€ren sie ein Paar gewesen, er und die Deutsche. Weder davor noch danach hĂ€tte er so eine Frau gehabt. Eine, die ihn gefragt hĂ€tte, was er braucht, gemacht hĂ€tte, was er sagt und mit der man jeden Tag Sex haben konnte. Sie seien heute noch gute Freunde. Das hast du mir nie erzĂ€hlt, sagt Leatherface fast empört zu seinem Freund. Du hast ja auch nie gefragt, sagt dieser. Wir schmunzeln innerlich, tja, die Macho-Nachos im letzten Kiosk. FĂŒr das Abschiedsfoto werden schnell der Hotdog weggelegt und die HĂ€nde abgewischt. Bye bye, take care!

    (Foto der beiden)

    An der Ecke einer großen befahrenen Straße liegt ein GebĂ€ude, frĂŒher offensichtlich eine Schule, heute die „Community Forge“. Über den Haupteingang betritt man einen großen Raum, vormals eine Art Aula. Die darĂŒber liegenden Etagen, einst ĂŒber GelĂ€nder offen mit dem Hauptraum verbunden, sind nun durch Verschalungen abgetrennt, was eine eigentĂŒmliche Raumwirkung erzeugt.

    Im Halbdunkeln der Halle sitzt eine versprengte Gruppe auf zusammengerĂŒckten Sitzmodulen. Auf dem Screen lĂ€uft ein Horrorfilm, Ă€hnlich dem legendĂ€ren „Blairwitch Project “ von 1999. Ist das eines der Sozialprojekte der DSA? Wie auch immer, eine bemerkenswerte Konkurrenz zwischen Halloween und der laufenden Wahl.

    When does the film end? 30 minutes? OK. Uns bleibt wenig Zeit etwas Essbares zu besorgen. Die Pizzeria um die Ecke erweist sich jedenfalls als Herausforderung. Statt einfach am Tresen zu bestellen, muss man hier im komplexen MenĂŒ eines kleinen Screens alle gewĂŒnschten Zutaten einzeln antippen und hinzufĂŒgen. Welchen Belag? Mit KĂ€se, ohne KĂ€se? Scharf, mittelscharf? Welche GrĂ¶ĂŸe? welche Saucen? Eventuell noch ein GetrĂ€nk? Welches? Welche GrĂ¶ĂŸe? … Ein freundlicher Mitarbeiter hinter der Theke versucht, uns zu unterstĂŒtzen, der digitalen Version Herr zu werden. Am Ende druckt der Apparat einen ausdifferenzierten penny-genauen Kassenbon der gewĂ€hlten 14 Posten. Erst nachdem wir diesen an der Kasse beglichen haben, startet die Zubereitung. Die 30 Minuten sind fast um. Mit der TĂŒte in der Hand laufen wir zurĂŒck zur Forge und erwischen noch jemanden von der DSA auf dem Weg zu seinem Auto. Unser Ansprechpartner ist bereits weg, auch in Eile. Tomorrow I’ve to be at a conference in Washington. Nein, ein email von Dieter hĂ€tte er nie erhalten, no access to the account. Ein hohes Tier der Organisation sei er nicht, erlĂ€utert er entschuldigend. Die Freundin drĂ€ngt, „sorry“ und schon sind sie weg.

    Die Halle steht noch offen, eine Abendveranstaltung wird vorbereitet. Einer staubsaugt, Möbel werden zurĂŒckgeschoben. Scheinwerfercheck. Auf einem der Sofas sitzt ein junger Mann, offensichtlich einer der Protagonisten der kommenden Show, um den Hals eine rote Federboa.

    Diemut: Kann ich dir eine Frage stellen, rein aus Neugier. Wir kommen aus Deutschland und sind interessiert an der Wahl in den USA. Was fĂŒhlst du diesbezĂŒglich?

    „Its a mess“

    Diemut: Was wird deiner Meinung nach dem 5. November geschehen? 

    „Ich weiß es nicht. Ich hoffe, die Menschen wachen auf, um zu realisieren, dass dieses Zwei- Parteien-System ĂŒberholt ist. Dass wir dringend ein neues Wahlsystem benötigen. Aber ich befĂŒrchte, das wird nicht passieren. Ignoranz herrscht auf beiden Seiten. Anstatt zusammen zu kommen driften sie immer mehr auseinander. Ich sehe keinerlei Vorteile in diesen Prozessen, keinerlei positive Entwicklung. FĂŒr gar keinen. Diese Wahl fĂŒhlt sich irgendwie irreal an. Es gibt eine seltsame Energie dahinter, die ist verstörend.“

    Diemut: Ist diese Wahl anders als die vorherigen Wahlen?

    „Ja, definitiv. Ich kann noch nicht ganz greifen, was jetzt vorgeht, aber sie ist wirklich sehr anders“.

    Diemut: Und hier in Pittsburgh, in einem der wichtigeren Swing States: Nehmen die Leute, bewusst wahr, wie wichtig ihre Stimme fĂŒr den Ausgang dieser Wahl ist? Gehen Sie bewusster wĂ€hlen?

    „Es gab große Werbeaktionen fĂŒr Stimmen hier in Pittsburgh, in ganz Pennsylvania. Sogar Musk ist hier vorbeigekommen. Kamala war hier. Da wir einer der Swing States sind, ist es offensichtlich, wie sie versuchen, uns zu ĂŒberzeugen. Die so richtig gelingt Ihnen das nicht, aber alle erzĂ€hlen uns, was sie tun werden. Und das nur, um unsere Stimme zu gewinnen. Und es fĂŒhlt sich an wie: ‚Ja, wir nehmen war, dass Ihr hier zu uns kommt, aber wir glauben euch nicht. Wir wissen, warum ihr hier seid. Einfach nur, um zu gewinnen.‘

    Das ist sehr verstörend. A weired energy. Und das fĂŒr beide Seiten. Ich glaube, Amerika kommt zu einem Punkt, wo neue Generationen anfangen, wĂ€hlen zu gehen. Ich glaube, wir beginnen zu realisieren, dass dieses Wahlsystem schon lange ein Auslaufmodell ist. Und wir mĂŒssen dringend etwas Neues entwickeln. So funktioniert es nicht mehr.“

    Dieter: Was wÀre eine bessere Lösung?

    „Ich weiß es nicht, das ist eine gute Frage, und ich bin nicht sicher was die Antwort darauf ist. Ich denke einfach nur, dass beide Seiten korrumpiert sind und uns betĂ€uben wollen. Sie wollen die Dinge nach ihren Interessen ausrichten, die Republikaner ebenso wie die Demokraten.

    Es ist schwer, in dieser Gemengelage wĂ€hlen zu gehen, aber ich werde wĂ€hlen gehen.“

    Diemut: Hast du bereits deine Stimme abgegeben oder wirst du an dem Wahltag selbst wÀhlen gehen?

    „Ich werde am fĂŒnften wĂ€hlen. Ich gehe immer persönlich dorthin.“

    Diemut: Wie wirst du danach die Wahl verfolgen, wirst du dich mit Freunden treffen oder vor dem Fernseher sitzen? Glaubst du, dass das Wahlergebnis recht bald sichtbar werden wird?

    „Ich weiß nicht, angesichts der Angriffe auf Trump und Ă€hnlichen VorfĂ€llen ist diese eine wirklich andere Wahl. Ich hoffe, dass sie an dem Tag schon Ergebnisse prĂ€sentieren können und sie nicht zu weit hinausschieben. Die Amerikaner sind sehr aufbrausend und ich glaube, wenn sich die Ergebnisse verzögern .
 Die Menschen warten, sie wollen die Entwicklungen umgehend in Tweet diskutieren 
 Diese Wahl mach alle im Land sehr Ă€ngstlich. (Wird von einem Mitarbeiter angesprochen) Sorry, ich muss jetzt los. Wir haben hier gleich eine Performance.

    Wir: Klar, vielen Dank fĂŒr das Teilen deiner Gedanken und viel Erfolg heute Abend!

    Auf dem RĂŒckweg nehmen wir andere Busverbindungen, und brauchen nur halb so lang zum Appartment. Aber oft sind es gerade die Umwege, die Überraschendes mit sich bringen.

  • Aufbruch nach Pennsylvania

    25. Oktober, noch 11 Tage bis zur Wahl

    Von wegen zwei Tage 
 Der Einkauf wird Teil unserer heutigen Reiseverpflegung, denn um 7:00 erreicht uns die Nachricht: nachfolgende GĂ€ste in der Wohnung, heute. Uns bleiben wenige Stunden, um das neue Reiseziel festzulegen, Flug und Unterkunft zu buchen, zu packen und abzureisen. Wohin? Aus Pennsylvania ist auf Dieters Interview-Anfragen bisher keine Antwort erfolgt. Dennoch fĂ€llt aufgrund anschließender Planungen fĂŒr Detroit und mit Blick auf die zu ĂŒberwindenden Distanzen schlussendlich die Wahl auf: Pittsburgh.

    Pennsylvania wird also unser erster Swing State. Das nun betretene battle field der unĂŒbersichtlichen BuchungsmenĂŒs, zu erstellenden Passwörter, zu bestĂ€tigenden Zahlencodes und stockender Kreditkartenverifizierungen frisst Stunde um Stunde. Knapp vor Ankunft der Nachfolger verlassen wir das Haus. In der Subway herrscht ein wenig Verwirrung, Baustellen Ă€ndern die Fahrtrouten ĂŒber Nacht, und die Linie A hat je nach Takt andere Endhaltestellen, Zwei ohnehin unterbeschĂ€ftigt wirkende Police Officers nehmen sich unser an. Uns in den richtigen Zug zu setzen, ist ihr nĂ€chstes Tagesziel. Der eine berichtet, er sei aus Bangladesch hier nach NYC gekommen, vor etlichen Jahren. Gewöhnen könne er sich nicht an diese Hektik, den LĂ€rm: „New York is crazy“, aus seinem Mund klingt das nicht gerade wie ein Kompliment.

    JFK. Die Sicherheitsvorkehrungen im Inland ĂŒbertreffen jene der Einreise aus fernen LĂ€ndern bei weitem. Hier mĂŒssen sogar die Schuhe aus, Obst wandert auf Extraschalen durch das Röntgenband. Dabei scheint es bei InlandflĂŒgen, als steige man in einen klapprigen Linienbus. Tische haken, Sitze sind abgewetzt, kein Unterhaltungsprogramm, ein mĂŒdes GetrĂ€nk, ein TĂŒtchen „Prezeln“, anschnallen, und wenig spĂ€ter befinden wir uns im Landeanflug.

    Wie weiter? Die App zeigt uns auf den letzten Metern unseres Datenvolumens einen Bus an. Mit dem es dann zunĂ€chst Richtung Downtown geht. Im bleichen Licht der Haltestelle sitzt auf der Wartebank eine Ă€ltere Frau, neben sich ein paar KrĂŒcken, an die sie ihre EinkĂ€ufe gezurrt hat. Auf die Frage, ob unsere Linie denn auch von hier starte, ĂŒberrascht sie uns mit einer Pracht-Ode auf den öffentlichen Verkehr der Stadt: Das Bussystem in Pittsburgh wĂ€re unschlagbar. Sie nutze es seit ihrem vierten Lebensjahr. Ausgebaut bis in die letzten Winkel der Stadt. Dann behindertengerechte Gestaltung der Fahrzeuge: Neigehydraulik, ausfahrbare Rampen, umklappbare Sitze, Sicherheitsgurte fĂŒr Rollstuhlfahrer, PlĂ€tze fĂŒr Menschen mit KrĂŒcken – alles den Bedarfen der zugestiegenen FahrgĂ€ste anzupassen. Und nicht nur das: Als NĂ€chstes hĂ€tte man sich die Displays vorgenommen. Nun könne man den Streckenverlauf studieren, um sich auf das Aussteigen vorzubereiten. Hinzu komme eine Hotline der Stadt, an deren Leitungen alle Fragen zu FahrplĂ€nen, Umsteigemöglichkeiten und Verbindungskonzeptionen freundlich beantwortet werden. Und das von echten Menschen. Sie zeigt uns eine App mit jeder Menge bunt gestalteter Klötzchen. Diese benutzt hier fast jeder. Um ihren Hals hĂ€ngt eine laminierte Karte, mit der sie begeistert herumwedelt. FĂŒr 2,75 könne man damit ganze drei Stunden in alle Busse der Stadt ganz ohne Bedenken einsteigen. 3 volle Stunden – und das in alle Richtungen! In SupermĂ€rkten und an den Automaten seien diese aufladbaren Rohlinge umstandslos erhĂ€ltlich. Im Bus bar zu zahlen, das ginge nur passend, Wechselgeld wird einbehalten.

    Wir kommen auf die Wahl, ein guter Moment. Das wirkt wie der Anstich in ein Fass. Ihre beste Kindergartenfreundin sei TrumpwĂ€hlerin. Ausgerechnet. Auch wenn sie persönlich so manches Statement von Trump ĂŒberzeugen könne – ganz ehrlich – irgendetwas stimme mit diesem Mann doch nicht! Er rede zu viel Unsinn daher, und dabei ginge es doch um Vertrauen, nicht mehr und nicht weniger. Das Geld hĂ€tte das Ruder ĂŒber die gesamte Politik ĂŒbernommen und: „You don’t slaughter your cattles, don‘t you?“ Typen wie Trump aber nutzten die Menschen aus zur persönlichen Bereicherung. „If you take care of the cent, the dollar will take care of you”. Noch im Ausstieg ruft sie uns zu: “It is all about trust!”

    In Downtown spuckt uns der Bus aus. Die Kulisse der Skyscraper Ă€hnelt der von New York, und, wenn auch ein paar dutzend Stockwerke niedriger, immer noch gigantisch genug, um uns EuropĂ€er zu beeindrucken. Die kargen GrĂŒppchen auf stĂ€dtischen Stufen zwischen den glatten Fassaden geschlossener Banken, WarenhĂ€usern und BĂŒrogebĂ€uden, wo sie sich plaudernd aufhalten, haben um diese Uhrzeit wiederum etwas KleinstĂ€dtisches, fast Dörfliches an sich.

    Unser Internetzugang ist nun blockiert, das Roamingkontingent endgĂŒltig ĂŒberzogen. Ein junger Mann im Kochdress raucht vor der TĂŒr. Dustin, stellt er sich vor, wie Dustin Hoffman nur nicht so klein. Dustin googelt uns in Windeseile die erforderlichen Busverbindungen. Als wir Fotos von seinem Handyscreen machen, begreift er erst unsere Lage. „If I were you I already would have had a nervous breakdown” kommentiert er mitfĂŒhlend wie fassungslos unsere Weblosigkeit. “If you come in this restaurant to eat” ruft er uns hinterher, “just ask for Dustin”. Die Busfahrt fĂŒhrt uns ĂŒber HĂŒgel und HĂŒgel. Die Topografie von Pittsburgh erinnert an Wuppertal oder Stuttgart: steile StraßenzĂŒge geben hier immer wieder erneut ĂŒberraschende Ausblicke auf weitere Viertel frei. Ab und zu erheischt man zwischen BebauungslĂŒcken den Blick auf die imposante Skyline. Unten vor Downtown spannen sich weite StahlbrĂŒcken ĂŒber die legendĂ€ren zwei FlĂŒsse, deren zusammenströmenden Wasserwege im Zusammenspiel mit den kohlereichen Minen der Stadt in Zeiten der boomenden Stahlindustrie alle Voraussetzungen fĂŒr eine prosperierende Wirtschaft schenkten. Diese Zeiten sind lang vorbei. Von der Endhaltestelle aus rumpeln unsere Rollkoffer durch die stillen Straßen einer ehemaligen Bergarbeitersiedlung. Ein hölzernes HĂ€uschen nach dem anderen reiht sich hier aneinander, unsere Herberge ist eines davon. Mit der Taschenlampe machen wir uns an eine weitere Zahlenkombination, um ins Hauses zu gelangen. Gab es in NY noch SchlĂŒssel, so basiert hier alles auf einer routinierten Bewegungsabfolge aus tippen, warten, drehen, ziehen oder drĂŒcken. Ist man dabei nicht schnell genug, blinkt das jeweilige Display abweisend und fĂ€llt zurĂŒck in unbeleuchtete Agonie. Erst nach sorgfĂ€ltigem Abarbeiten der Airbnb-step by steps erhalten wir Zutritt. Im Flur steht ein GerĂ€t, das laute RegengerĂ€usche von sich gibt. Wann immer wir in den nĂ€chsten Tagen an ihm vorbeikommen, dimmen wir das GeplĂ€tscher herunter, um spĂ€ter festzustellen, dass sich im Haus wohl eine Person befindet, der das elektronische Rauschen hingegen Freude bereitet. Oder ist das eine uns unbekannte akustische Abwehr von SchĂ€dlingen?

    Aus dem Fenster der Mansarde schauen wir auf vier aufragende Schornsteine und einen imposanten GebÀuderiegel aus den goldenen Jahren der Stahlproduktion.

    Welcome to Pittsburgh, one of the most important Swing States 2024.

  • Brooklyn

    24.Oktober, noch 12 Tage bis zur Wahl

    FĂŒr ein paar frĂŒhe Sonnenstrahlen setze ich mich in den verwaisten Gemeinschaftsgarten hinterm Haus. Viele Vögel sind zu hören, einige zu sehen, mir bekannt keine. Eine Vogelstimmen-App zeigt mir den prachtvollen BlauhĂ€her – in ganz Nordamerika heimisch wie bei uns der EichelhĂ€her, der sich lautstark bemerkbar macht, sich in seinem Prachtgefieder aber nicht blicken lĂ€sst.

    Maggi schĂŒttet ihren Kompost in eine aufwĂ€ndig gehĂ€ngte Trommel, die einzige Methode, der Rattenplage Herr zu werden. Mit angeekeltem Gesicht skizziert sie mit den HĂ€nden die GrĂ¶ĂŸe der hiesigen Exemplare. Beim darauffolgenden Gang durch Brooklyn auf der Suche nach einem Geldautomaten fallen mir nun die zahlreichen Schilder in den VorgĂ€rten ins Auge, die vor Gift und Ködern warnen. Bizarr, neben den mehr und mehr hervorsprießenden Gespenstern, Spinnen und den Skeletten, die mittlerweile ĂŒberall herumlungern.

    Der erste ergoogelte Automat steht ein paar Straßen weiter. Ein schleichender atmosphĂ€rischer Wechsel: Mehr HĂ€ndlertischchen, mehr entrĂŒckte stand alones, mit Drogenblick an verrammelte Ladenfassaden gelehnt. Ich bleibe einen Moment stehen und merke erst jetzt, die einzige white person weit und breit zu sein. Ich verirre mich und es ist hier schwer, einen Menschen anzuhalten. Mit kurzem KopfschĂŒtteln eilen sie weiter, als ob ich sie anbetteln wollte. Erst an einer roten Ampel erbarmt sich ein junger Mann und seine Beschreibung fĂŒhrt zum ATM, jener Sorte Geldautomaten, die hier in GeschĂ€ften untergebracht und nachts somit nicht dem Vandalismus ausgesetzt sind. Aber die Maschine verweigert meine Karte. Oh sorry, it’s broken. Ohne Dollars kein Einkauf. “Where can I find the next one?” Der steht in einer ĂŒber und ĂŒber mit rosa Wattegewebe verhangenen Pharmacy, die asiatische VerkĂ€uferin nickt mir aus der Ferne durch die HalloweenfĂ€den freundlich zu. Diesmal klappt‘s.

    Jetzt fehlt nur noch ein Laden, der mehr bietet als Chips, Kaugummi, Softdrinks, Kuchenportiönchen und Cracker. Hier ist er – ein wahres GemĂŒse-Eldorado. Die Paprika aus Holland, auch die Äpfel Importware. Warum kommt mir das hier merkwĂŒrdig vor, wo doch daheim Waren aus Israel, Brasilien und Chile im Regal liegen? Der Preis einer Grapefruit betrĂ€gt hier 6 Dollar. AuffĂ€llig sind die fĂŒnf verschiedenen Bananensorten, die sicherlich auch nicht in den USA geerntet wurden offensichtlich aber wichtiger Teil der Esskultur im Viertel sind. Preise umwerfend hoch, VerpackungsgrĂ¶ĂŸen fĂŒr Großfamilien und Prepper designt. Vor der KĂ€setheke, deren Preisschilder mich fast umhauen, versuche ich eine Frau anzusprechen, die sich gerade 2 KĂ€sestĂŒcke in den Korb legt. Auch sie zuckt im ersten Moment zusammen und will schon gehen, als mir einfĂ€llt ihr zuzurufen ich sei „from Germany“. Sofort kehrt sie neugierig zurĂŒck und wir verwickeln uns in a women’s talk ĂŒber hohe Lebenshaltungskosten. Wie kann sich der durchschnittliche Amerikaner diese KĂ€sepreise leisten, „don‘t the Americans love cheese?“ „Yes, they are very keen on cheese, especially baked cheese!” Am Ende legt sie mir mĂŒtterlich ein Sonderangebot in den Korb, „2 for the price of 1“, die gleiche Ware, die auch sie gewĂ€hlt hat. Thank you so much for helping! Schon ist ein Viertel der abgehobenen Dollar wieder zurĂŒck im Kreislauf des Geldes – nur fĂŒr einen Einkauf, der uns nicht mal ĂŒber zwei Tage bringt.
     

  • Erste Interviews

    23.Oktober, noch 13 Tage bis zur Wahl

    Wir sind viel zu spĂ€t dran. Grund ist unser Irrglaube, man könne in NY Entfernungen mithilfe eines Straßennamens googeln. Manche Straßen aber durchschneiden ĂŒber kilometerweite Stecken ganze Viertel. Bushaltestellen haben daher hĂ€ufig Doppelnamen. Nur die jeweilig angrenzenden Querstraßen ermöglichen Orientierung. Uns bleibt eine halbe Stunde zum Termin bei dem Herausgeber des JACOBIN, einer der grĂ¶ĂŸten Zeitschriften der Linken im Land. „Sorry, we’ll be a bit late”. ZĂŒgig kommt der Bus. Tickets? Hier im Bus kann man sie nicht lösen. „You can get your tickets in the sub or at the kiosk“. Der Fahrer blickt in unsere entmutigten Gesichter, „please get in so that the door can close“ Erleichtert lassen wir uns auf die Sitze fallen. Brooklyn ist groß, viel grĂ¶ĂŸer als das karierte Tischdeckchen auf der Landkarte vermuten lĂ€sst. Geschlossene angerußte Backsteinfassaden, grafisch eng verwoben mit dem charakteristischen Zickzack der metallenen Feuerleitern, die die StraßenzĂŒge flankieren. Fabrikmauern, Leitungsmaste, Shops, People 
  Endlich angekommen, aber der Eingang zur Redaktion ist nicht auszumachen, Hausnummer korrekt, weit und breit aber weder Klingeln noch Namensschilder. Wir klopfen an eine beschlagene GlastĂŒre, im Dunkel des tiefen Raumes Schemen von Youngsters an Rechnern. Einer löst sich und kommt zur TĂŒre, „JACOBIN? SORRY, never heard of it“. Im gleichen Moment, Dieter hat nochmal angerufen, öffnet sich ĂŒberraschend eine andere TĂŒr neben uns: „Dieter? Micah? Welcome, get in.“ Wir steigen ein schmales Treppenhaus hoch in die lichten RedaktionsrĂ€ume. Unser Interview beginnt.

    Interview mit Micah Uetricht JACOBIN (coming soon)

    Als nĂ€chstes ein Termin mit der DSA, New York. Die Democratic Socialists of America, sind eine Organisation, der stark auf außerparlamentarische Bewegungen setzt und die zugleich aber auch Kandidaten als Independants auf Listen der Demokratischen Partei zu Wahlen auf verschiedenen Ebenen antreten lĂ€ĂŸt (Senat, ReprĂ€sentantenhaus auf Bundes- und auf Kongressebene) antreten lĂ€ĂŸt.

    Nach langen Versuchen einer Kontaktaufnahme zu den DSA New York nun kurzfristig die Zusage: 3 pm, meeting Gustavo, an einem Brunnen im City Hall Park, Manhattan. Ein Brunnen? Wir hören es in unseren Tonaufnahmen schon plĂ€tschern und rauschen. Aber vielleicht werden wir dort ja nur abgeholt. Also auf nach Manhattan. Gustavo erweist sich als schlanker Mittdreissiger mit sĂŒdamerikanischen ZĂŒgen. Wenig spĂ€ter stĂ¶ĂŸt auch Arielle zu uns, eine zierliche junge Frau mit dickwandigen BrillenglĂ€sern, langem lockigem Haar, ihre Ă€ußere Erscheinung verweist in Richtung naher Osten. Gustavo hat mehr oder weniger nur den Hinweis erhalten, zwei Deutsche wollten ihn sprechen. Dieters ausformulierte Informationen ĂŒber unser Projekts haben die Weiterleitungskette von AnhĂ€ngen nicht ĂŒberlebt. Wir erlĂ€utern also nochmal HintergrĂŒnde, unser Interesse etc., wĂ€hrend aus der Ferne Trillern, Johlen und Musik zunehmen. Ich denke wieder an die Tonspur. Gustavo ist sich nicht sicher: entweder eine Demo pro Harris, oder aber die Feier des Sieges der US Basketball Frauen. Beides schein ihn gleichermaßen wenig zu interessieren. „So: Ask me your questions.“

    Wir Ă€ußern den Wunsch nach einem etwas ruhigeren Ort, und die beiden fĂŒhren uns ĂŒber einige Kreuzungen hinweg zu einem Straßencafe: „It’s ok here?“ Einen Meter neben den Plastikstuhlinseln donnert der Verkehr vorbei. Im nĂ€chsten Lokal spielt laute Musik. Ich erlĂ€utere noch einmal kurz die Problematik der AnschlĂŒsse im Film. Film? Arielle schaut entgeistert zu Gustavo. Ein Hauch Frost zieht in die Konversation ein. Wir mĂŒssten verstehen, die DAS vertrĂ€ten in Teilen ganz andere Positionen als die ihren, allem voran in der derzeitigen Debatte um Gaza. Sie, Arielle hĂ€tte palĂ€stinensische Wurzeln und auf den Demonstrationen in den hiesigen UniversitĂ€ten teilgenommen 
 Ratlosigkeit. Die beiden erbitten sich eine Denkpause und verschwinden fĂŒr ein paar Minuten nach draußen. Nach RĂŒckkehr steht ihre Entscheidung: no film, no recording. Dann eben ein GesprĂ€ch. Wir setzen uns an einen Tisch im ruhigeren Teil des CafĂ©s, aber nahe der Speisenzubereitung. Neben meinem Ohr rĂŒhrt ein Mixer im Dauerbetrieb. New York, the city that never sleeps. Wie auch bei dem LĂ€rm, denke ich, und schlage mein Notizbuch auf.

    23.10.2024 15:30

    Interview mit Gustavo (Arielle) in einem Cafe, Manhattan NY

    Dieter: Die DSA unterstĂŒtzt Harris. Was wird aus den Forderungen und Themen der Linken, die mit dieser UnterstĂŒtzung verbunden werden, nach der Wahl? Was wird aus einem derartigen Deal?

    Gustavo: FĂŒr die DSA trifft das nicht zu – mit uns gibt keinen derartigen Deal. Wir unterstĂŒtzen schlichtweg die Gegenposition zu Trump, keine Kampagne fĂŒr Harris. So gibt es auch keine Forderungen, weder fĂŒr ein Waffenembargo noch bezĂŒglich des derzeitigen PalĂ€stinagenozids in Gaza. Proact beispielsweise agiert fĂŒr das Recht auf Selbstorganisation. AOC setzt sich fĂŒr Themen ein wie social housing. Die Organisationen wĂ€hlen Delegierte (voting uncommitted delegates). Das bedeutet in der RealitĂ€t aber nur eine Anerkennung, jedoch keine politische ReprĂ€sentanz von Organisationen wie DSA und Proact.

    Dieter: Wie steht es um die Positionen der Linken in den umkÀmpften Swing States?

    Gustavo: In den Swing States werden die aufwĂ€ndigsten Wahlkampagnen ĂŒberhaupt betrieben. In Michigan beispielsweise hat die Bevölkerung einen sehr hohen Anteil an Einwohnern arabischer Herkunft. Auch ist der Anteil jĂŒdischer Bevölkerung deutlich höher als in Europa. In Wahlkampagnen investiert die eine Seite 2 Mio Dollar, die andere ganze 50 Mio. Und das, um die Stimmen von etwa 8.000 Personen zu gewinnen. Diese Investitionen muss man mal pro Kopf ausrechnen. Es ĂŒbertrifft die Ausgaben von ganz Großbritannien fĂŒr eine Wahl. Und diese Kampagnen werden unter anderem auch von Steuergeldern finanziert.

    //2012 Citizen-Bewegung fĂŒr Hillary Clinton//

    Es gibt durchaus Initiativen die dafĂŒr kĂ€mpfen, Wahlbudgets generell zu limitieren. Aber Personen wie Musk hĂ€lt so etwas nicht auf. FĂŒr ihn wĂ€re, wie fĂŒr Trump, ein Verstoß gegen dererlei Regeln nur ein weiterer unbedeutender Prozess, mehr nicht.

    Dieter: Es kursiert die These, dass die Position von Trump die Linke stÀrke.

    Gustavo: Einige wenige Accelerationists auf Seiten der Linken kippen hier und da sogar Richtung Trump, die DSA steht grundsĂ€tzlich aber klar gegen ihn. Nach fĂŒnf Jahren Wahlkampf ist die Stimmung ziemlich demoralisiert. Einige Mitglieder der Gewerkschaften unterstĂŒtzen mittlerweile sogar Trump. Die GewerkschaftsfĂŒhrer haben vielerorts der Kontakt zur Basis verloren. So stimmt beispielsweise John Fayn gegen die Republikaner, die Mitglieder seiner Gewerkschaft hingegen voten fĂŒr Trump. Insgesamt ist die Position der Gewerkschaften sehr schwach, und das könnte in der Wahl den Ausschlag geben. In North Carolina, einem wichtigen Swing State, gibt es praktisch gar keine Gewerkschaften.

    Dieter: Wird im Kontext der Agenda 2025 in den USA ĂŒber das Risiko einer Entwicklung hin zum Faschismus diskutiert?

    Gustavo: Eine Faschismusdebatte existiert, wenn ĂŒberhaupt, im linken FlĂŒgel. Der Rechtsruck ist eine Antwort gegen den jetzigen Staat. Auch wenn der Kongress die Demokraten bestĂ€tigen wird, ist die Regierung Harris noch lange nicht „demokratisch“. Und fĂŒr die nĂ€chste Wahl halten die Republikaner durchaus starke „ErsatzmĂ€nner“ fĂŒr Trump bereit. Insgesamt herrscht generell die Stimmung vor, die Demokratie hĂ€tte versagt und der Kapitalismus gesiegt. Sollten die Gerichtsbarkeiten politisch gekippt werden, dann geht die Linke in die Revolution. Nur ein gespaltener Kongress könnte diese Machenschaften von Trump dann noch ausbremsen. NY wĂŒrde bei derartigen Schritten in massive Opposition gehen, andere Staaten wie Kalifornien ebenso.

    Dieter: Vielen Dank fĂŒr eure Zeit und das interessante GesprĂ€ch.

    Die beiden verlassen das CafĂ©. Im unberĂŒhrten GetrĂ€nk von Arielle schwimmen geschmolzene EiswĂŒrfel. Wir bleiben einen Moment sitzen. Was, wenn auch kommende Interviews unter HĂŒrden von Ängstlichkeit nur in einem Protokoll enden? Sind es die medialen KollateralschĂ€den der sozialen Netzwerke, von denen diese Generation heimgesucht ist? Oder ist es eine Zerrissenheit linker Bewegungen, die hier sichtbar wird? Schwer einzuordnen. Wir machen uns auf zur Subway. Hier geht grad gar nichts mehr, Arzteinsatz und die Reisenden machen sich sukzessive wieder auf den Weg nach oben. Am Ausgang bekommen wir Ersatztickets fĂŒr eine kostenfreie Weiterfahrt. Ganz unkonventionell, von trĂ€umen wir in Deutschland nur. Die nĂ€chste Haltestelle liegt wieder Richtung Park, der „LĂ€rm“ unweit der City Hall ist nun deutlich lauter geworden. In einem mit Gittern zur Straße gesperrten Randbereich des Parks sammeln sich die mehr und mehr Menschen: Kamala Harris, nicht Basketball! Über Lautsprecher dröhnt Popmusik. Auf den Tischen liegen große, blaue Pappen mit „Harris–Walz“ und grĂŒne Schilder mit Slogans verschiedener Gewerkschaften. Buttons, Aufkleber mit einer Harris, die nach altamerikanisch gemalter Plakatmanier ihre Muskeln spielen lĂ€sst – alles zum Mitnehmen. Please, take it. Hinter den Tischen ermutigen Frauen die Passanten, sich in die Wahllisten einzutragen, Schreibhilfen mit geklammerten Papieren werden behelfsmĂ€ĂŸig auf den Absperrgittern abgestĂŒtzt, um spontan zu signieren, werden mit Stift weitergereicht. Den sichtbar grĂ¶ĂŸten Teil der Menge stellen People of Colour.

    Mikrotest. Check. Check. Welcome to the Ralley! Ähnlich einer Powermischung aus Popkonzert und Gospelgottesdienst fliegen die Worte zwischen den Rednern am Pult und dem Publikum hin und her. Prominenz wird mit lautem Jubel, hĂŒpfenden wie geschwungenen Schildern, wild gewedeltem KlatschhĂ€ndchengeklapper begrĂŒĂŸt. „We will
“ vorne vom Micro, „WIN!!!“ schallt die Menge. Wieder und wieder. Zu den Musikeinlagen nach kurzen RedebeitrĂ€gen wird mitgeschwungen, mitgesungen: Respect 
 just a little bit, Respect 
 This Girl ist on fire 
 Brothers and Sisters! We will fight. Es scheint als rufe man sich gegenseitig Mut zu. Ein weiterer Gangway ist reserviert fĂŒr Passanten neben der Kundgebung, Ordner bewegen Reporter und Schaulustigen unermĂŒdlich: Keep it open, please, keep it open. Let people pass by. In diesem cattle grid lĂ€uft ein Kontrahent in trumpbedruckter Kleidung laut schimpfend hin und her. „You are Haters, 2025 we will take the city back. We bring truth and love. You are the haters!“ Alle zehn Minuten taucht er wieder auf, mit neuen Parolen, neuen shouts provoziert er die Menge. Kaum eine der meist weiblichen Demonstrantinnen hat ein Auge fĂŒr ihn. Dann durchbricht ein Mann das Gitter und droht. Es wird einen Moment laut. Ein Ordner asiatischer Herkunft fĂ€ngt ihn sanft ein und sortiert ihn zurĂŒck hinter die Absperrung. Der Trumpist zieht meckernd weiter in seiner Umlaufbahn.

    Neben mir steht eine Ă€ltere Frau, ein großes Plakat um den Hals. Ihre Augen lĂ€cheln mich an. 77 Jahre alt sei sie, nie wĂ€re eine Wahl so wichtig gewesen. Sie ist begeistert zu hören, dass wir eine Reise nach Amerika angetreten haben, um in diesen Tagen vor Ort zu sein. Zur Inauguration von Obama damals wĂ€re sie extra nach Washington gereist. Auch dort wĂ€ren ihr people from Germany begegnet, die sich aus politischen GrĂŒnden in den Flieger gesetzt hĂ€tten. „We are moved by your participation. Our country is going through a difficult time.” Das Programm auf der BĂŒhne scheint beendet, es wird leiser um uns. “Do you think the ralley is over? I thought Harris herself will come” sagt sie fast entĂ€uscht. Dann kommt es wieder, das GlĂ€nzen in ihren Augen. “We should continue and dance”. Sie schwingt die HĂŒften. Viele Menschen bleiben. In Gruppen sprechen sie miteinander, am Rande, im Park, die AtmosphĂ€re wirkt nun familiĂ€r, es scheint als kennten viele sich bereits aus der neighbourhood. Es gesellt sich eine weitere Frau zu uns, Lehrerin, Großmutter dreier Enkel. Man ist sich einig, daß der „flipflop-runnigmate“, der Wendehals Vance fast noch gefĂ€hrlicher sei als Trump. Dass die Wahl immer noch so unentschieden sei, lĂ€ge an der „Unzahl dementer Amerikaner“, die immer noch nicht begriffen hĂ€tten, worum es hier eigentlich ginge. Bei Einbruch der Dunkelheit steigen wir in die Subway. Daheim sitzt Vera mĂŒde am KĂŒchentisch, sie hat die Stelle in der BĂ€ckerei bekommen und muss gleich morgen wieder frĂŒh raus.

  • Ankunft NYC

    22.Oktober, noch 14 Tage bis zur Wahl

    Good Morning America. Die neue Zeitzone schenkt allen Reisenden in Richtung Westen einen „gegenkorrigierten“ Tagesbeginn. GĂ€lte die deutsche Uhrzeit, hĂ€tten wir bereits die HĂ€lfte des Tages verschlafen. Eine sonnige WohnkĂŒche. WLAN, die erste Suche im Netz: „Kann man dem Trinkwasser in New York trauen?“ Oberster Eintrag: „Wisst ihr eigentlich, wie viele verschiedene Schadstoffe man im Trinkwasser von NY 
“ Wir wechseln zu den offiziellen Seiten der Stadt und setzen den Tee auf. Mit Wasser aus der Leitung.

    Maggie, KĂŒnstlerin und Mitbewohnerin hier im Haus postet uns vorsichtig eine SMS:  Welcome. Und eine Einladung: Heute Abend gibt es in der GemeinschaftskĂŒche unten im Souterrain ein get-together der Bewohner des Hauses. Ein guter Einstand. Jetzt aber erstmal FrĂŒhstĂŒcken. Dieter berichtet von seiner abendlichen Erkundung: um die Ecke gibt es wohl ein paar kleinere LebensmittellĂ€den. Ich mache mich auf den Weg, doch die LĂ€den haben geschlossen, sind teilweise vernagelt.

    Ein paar Blocks weiter die Filiale einer stadtweiten Kette, fast in jedem Block zu finden: Glorious „Deli“ lĂ€dt ein. Durch eine LĂŒcke des bis zur Decke gestapelten American food, schaut das freundliche Gesicht eines VerkĂ€ufers mit Turban. Er liest in meiner translation app. Haferflocken? Yes, maybe. Nach einer Umschichtung der TĂŒrme bunt bedruckter PlastiktĂŒtchen fördert er unter Bergen von Genussmitteln auch Grundnahrungsmittel zutage. SpĂ€ter starte ich einen zweiten Anlauf. Diesmal suche ich eine Flasche Wein fĂŒr den Einstand heute Abend. Alkohol? No Alkohol. Die meisten kleineren LĂ€dchen bieten derlei nicht an. Supermarket?

    Die Wegbeschreibungen der Passanten zeigen: Englisch ist oft nicht ihre Muttersprache, sondern nur Vehikel zur VerstĂ€ndigung im babylonischen Nebel der Großstadt. Offene und freundliche Gesichter, kurze Wortwechsel. Ich stoße auf einen ĂŒppig bestĂŒckten Supermarkt. Das Weinregal dort bietet sechs verschiedene Flaschen amerikanischer Produzenten, zwei davon Besorgnis erregende Mixturen, auf deren Etiketten verdĂ€chtig pralle Trauben prangen. Ein paar Meter weiter ein großer, begehbarer KĂŒhlraum mit unzĂ€hligen Biersorten verschiedenster Provenienz. ZurĂŒck zum Weinregal. Ein Californischer könnte gut sein, America first.

    Noch ist ein wenig Zeit, wir konzipieren Interview-Fragen fĂŒr den morgigen Termin mit einem der Herausgeber des Magazins JACOBIN. GerĂ€usche aus der GemeinschaftskĂŒche signalisieren erste KochaktivitĂ€ten. Rechner zu und auf geht’s. Maggie und ihre Tochter Vera stehen schon in der KĂŒchenzeile zwischen Rosenkohl, SĂŒĂŸkartoffeln und anderen auf Blechen verteilten GemĂŒsen. Vera ist erst seit ein paar Tagen zurĂŒck in New York, nachdem sie vorher auf dem Land nördlich der Stadt gearbeitet hat. Morgen muss sie frĂŒh raus, um sich auf eine Stelle in einer BĂ€ckerei zu bewerben. Der Weg dorthin dauert fast 1 Stunde, und sie vermutet, dass es schwer wĂŒrde, die Stelle zu bekommen. Eine Freundin aus Maine ist auch zu Besuch. Sie nĂ€chtigt in einem weiteren dieser offenen Appartements irgendwo im Haus. Im Sitzbereich des Souterrains liegen viele Dinge verstreut, darunter BĂŒcher, Kleidung und Kisten. Ein paar der BĂ€nde hat Maggie vor dem Haus an den Gartenzaun gelegt, und einige fanden im Verlaufe des Tages Liebhaber. Sie ist glĂŒcklich ĂŒber das Interesse und die elegante Form, sich auf diese Weise eines Zuviels an Besitz zu entledigen. David, ein weiterer temporĂ€rer Bewohner des Hauses, prĂ€pariert ein HĂ€hnchen. Er arbeitet in einer Firma, spezialisiert auf die Restaurierung des Interieurs denkmalgeschĂŒtzter GebĂ€ude und zeigt auf seinem Handy mannshohe Kronenleuchter, Kaskaden aus Glasperlen und glitzernden StĂ€ben, seine derzeitigen instand zusetzenden Objekte. Sie entstammen der ĂŒppigen Deckendekoration im Foyer eines Grandhotels, Chicago. Welch weltlĂ€ufige Pracht einer jungen, aufstrebenden Wirtschaftsmacht aus diesen ĂŒppigen Dekorationen atmet!  Maggie springt auf. Unter den Kisten auf dem Sofa zieht sie einen kleinen Karton mit einem Lampenschirm in Form einer kompakten Weintraube. Aus grĂŒnen Glaskugeln zusammengesetzt mit komplizierten Eisenranken dekoriert, atmet ihre Gestaltung die Eleganz der europĂ€ischen Jahrhundertwende. Diese rettet das Motiv aus der BanalitĂ€t von Etiketten schlechter Weine in schummrigen Pizzerien und macht aus ihr eine skurrile, antiquarische RaritĂ€t. David gibt Hinweise zur Wiederherstellung der Lampe und verspricht Maggie, ein paar der abgebrochenen BlĂ€tter wieder anzulöten, Maggie ist begeistert, obwohl sie eingesteht, dass eine solchen Lampe eigentlich gar nicht ins Haus paßt. Dinge halt. Aber noch landet die Lampe nicht am Gartenzaun.

    Mittlerweile ist Yftach eingetroffen, Maggies Mann und Veras Vater. Beim gemeinsamen Essen tauchen wir ein in das Thema der bevorstehenden Wahl. Yftach ist in der IT Branche tĂ€tig und gewerkschaftlich aktiv. Er berichtet von Reisen nach Michigan, um dort von TĂŒr zu TĂŒr um Stimmen zu werben. Maggie berichtet ihrerseits von den jĂŒngsten AktivitĂ€ten als Wahlhelferin. Die ihr ausgehĂ€ndigte Liste vermeintlicher „NichtwĂ€hler“ in North Carolina, die sie telefonisch zum Gang an die Wahlurne motivieren soll, sei aber in vielen FĂ€llen fehlerhaft gewesen. So sei sie mit etlichen Trump WĂ€hlern in unerfreuliche Diskussionen verwickelt worden. Anstrengend und sicherlich das letzte Mal, dass sie sich in dieser Form engagieren wolle. Unter den ihr nahestehenden Menschen gĂ€be es keine TrumpwĂ€hler. Generell blieben sich die politischen Lager im normalen Leben eher fremd. Bis auf wenige Ausnahmen, wie sie am Beispiel ihres eigenen Sohnes Adam berichten, der eine ausgesprochen linksorientierte Haltung einnehme. Aufgrund Trumps Versprechen, nach gewonnener Wahl die UnterstĂŒtzung des Krieg in Gaza sowie des Ukrainekrieges zu beenden, ĂŒberlege Adam, sein Kreuz bei Trump zu machen. Erstaunlich. Could you explain this? FĂŒr Maggie wird es zu kompliziert, die BegrĂŒndungsfiguren adĂ€quat wiederzugeben. Just ask Adam himself, please, he lives nearby.

    Die GesprĂ€chsthemen am Tisch mĂ€andern weiter. Wie steht es mit Reisen? Wer war schon einmal in Deutschland? Ja, Berlin und MĂŒnchen sind bekannt, Leipzig auch. Vera schwĂ€rmt von Tirol, dorthin wĂŒrde sie so gern einmal zurĂŒckkehren! Herrliche Landschaft und: so nette Menschen! Ich muss an die italienische GynĂ€kologin von gestern denken. Wir sprechen ĂŒber GerĂŒchte, die schwer ohne Kontakte zum anderen Land zu verifizieren sind. Ist in Deutschland ist das MitfĂŒhren von einem Personalausweis Pflicht? In den USA hat in der Regel keiner seine Papiere dabei. Auch, weil ein großer Teil der Amerikaner:innen gar keinen Pass besitzt. Man könne hier ja weit reisen, bevor man auf Landesgrenzen stoße.

    Völlig kontrĂ€r dazu ihre Grenzerfahrungen in Europa. Vor vielen Jahren teilte ich das Zugabteil mit einer Gruppe amerikanischer Stipendiaten, die von MĂŒnchen nach Venedig und von dort weiter nach Prag fuhren. Über den auf dem Oktoberfest entwendeten Maßkrug, heiter und lautstark immer neu mit Bier befĂŒllt, kamen wir ins GesprĂ€ch. Es kreiste zunĂ€chst um Europa, um SpĂŒlbecken ohne HĂ€cksler, das Geschirrwaschen mit der Hand – und ohne Gummihandschuhe! Das schien sie an Italien besonders zu irritieren. Euphorie gemischt mit Anspannung beflĂŒgelte die Unterhaltung, denn ihre Reise entwickelte sich gerade zu einem illegal verlĂ€ngerten Wochenende. Homebase ihres Auslandstudiums war Rom, wo zeitlich ĂŒberzogener Ausgang im Institut schwer geahndet wurde. Seit zwei Tagen befanden sie sich weit ĂŒber ihren Zeitplan hinaus grĂ¶ĂŸtenteils in Zugabteilen. Deren Enge waren sie schon von ihrer römischen Herberge gewohnt und betrĂŒbte sie keinesfalls. Aufgebrochen aus ihrer gleichfalls engen Lerndisziplin hofften sie, halb Europa mit allen dazugehörigen SehenswĂŒrdigkeiten in vier bis fĂŒnf Tagen abzuhaken. Jetzt liessen sie sich assoziativ treiben berauscht von den wenigen Stunden, die zwischen Amsterdam, BrĂŒssel oder Paris lagen. Alles unvorstellbar nahe! Auf mein erkennbares Entsetzen ĂŒber dieses Unterfangen rechneten sie mir in Kilometern vor, wie weit man damit in Amerika kĂ€me, und welche kulturellen SchĂ€tze dort auf dem Weg liegen wĂŒrden. – Und umgekehrt schienen sie schockiert, als ich mich ich mich zwischendurch mit dem Schaffner auf italienisch zu verstĂ€ndigte. Drei Sprachen? In ihrem Land sprĂ€chen die meisten Menschen ausschließlich englisch. Wozu auch die MĂŒhe, wenn jedem ein ganzer Kontinent damit offensteht.

  • Reisetag

    21. Oktober, noch 15 Tage bis zur Wahl

    FrĂŒher als vor einem Langstreckenflug ohnehin nötig, sind wir aufgebrochen. Dieter aus Bonn, ich aus Wuppertal. Doch heute sind all unsere AnschlĂŒsse der Bahn pĂŒnktlich – derzeit fast ein Wunder in Deutschland. Dagegen brach gestern Nacht der Internet-Checkin bei der Lufthansa nach einer wirren Stunde redundant aufpoppender Sperrigkeiten abrupt ab. Technische Probleme bei der Lufthansa. Sorry. Also das Ganze dann noch mal am Flughafen. Gut, dass wir so frĂŒh dran sind.

    An den Schaltern der Lufthansa ĂŒberall leere StĂŒhle. Automaten stehen Spalier. Davor aufmerksam herumflanierende Angestellte. Sie nehmen den ratlosen Reisenden die erforderlichen Schritte höflich ab. May I? Beflissen und mit schnellen Tippbewegungen greift an unserer Seite vorbei eine Hand in die Tasten. Erstellt. Voila, your Boardingcard. Im Weitergehen stellen wir fest, dass die fĂŒr uns gebuchten PlĂ€tze nicht einmal in Sichtweite zueinander liegen. Oh, sorry. Go to the counter. They will help to change it. Die Counter neben den TransportbĂ€ndern sind ebenfalls ausgestorben. Das Aufgeben der Koffer wird dort erneut von verstreutem Personal assistiert. Hier ein verklemmtes Klebeband aus der Maschine ziehen, dort abschließend das Gewicht kontrollieren.

    Warten in einer der steifen Sitzschalengruppen vorm Boarding. Einige schlafen, ihre Jacken um die Schultern gelegt. Langsam belebt sich das Gate mit Personal, die Digitalanzeigen bleiben noch dunkel. Der deutsche Lufthansaangestellte und ich sprechen höflich in schlechtem Englisch miteinander. Ich erklĂ€re, aufgrund meiner Flugangst gerne close to my husband sitzen zu wollen. „Oh, I have about thousands seats to change“ kommentiert seine Kollegin neben ihm ironisch ĂŒber die Schulter. Eine grĂ¶ĂŸere Reisegruppe ist unterwegs viele, sehr viele WĂŒnsche sind zu erfĂŒllen. Zwanzig Minuten vergehen. Die Kollegin wandert durch die Sitzschalen, sie sucht mich. „Wir haben sie schon ausgerufen“. Wirsch drĂŒckt sie mir zwei neue Karten in die Hand. Boarding wird in Gruppen aufgerufen, schön der Reihe nach. Erst die Erdbeergruppe, danach die Kirschgruppe. Das Flugzeug fĂŒllt sich auf diese Weise systematisch. Wir belegen nun nach der Korrektur zwei Sitze der allerletzten Reihe, dort, wo man den Stewardessen beim Pausentuscheln hinter den TrennvorhĂ€ngen lauschen kann. So erfahren wir von einem Passagier an Bord, der dringend Ă€rztliche Hilfe benötigt. Die Frau in unserer Dreierreihe dreht sich nach hinten zu ihnen um. I am GynĂ€cologist. Oh, Thank you but 
 Der kriselnde Mitreisende wird bereits durch einen anderen Arzt an Bord versorgt.

    Sobald der Screen am Sitzplatz ein Lebenszeichen von sich gibt, starten fast alle Reisende einen Film. Die Sprachauswahl unserer Sitznachbarin lĂ€sst darauf schließen, dass sie Italienerin ist. Um ihren Mund herum hĂ€ngt lose eine Atemschutzmaske. Postcoronazeiten. Die ersten Stunden des Flugs kĂŒhlt die Klimaanlage auf frĂŒhwinterliche Temperaturen herunter. Die Enge unserer PlĂ€tze lĂ€sst kaum Bewegungen zu. Mit nervösen Bewegungen wickelt die Nachbarin ihren Daumenmantel enger um sich, aus der fellumrandeten Kapuze ĂŒber ihrem Kopf dringt willentlich hörbar ein „Cold, too cold“. Sorge liegt in der Luft. „I’m going to visit my son“, der an der Columbia University ein Stipendium begonnen hatte. Das strenge Zeitkorsett der Hochschule ließe ihm allerdings only little time for his mother, obwohl diese doch nur fĂŒr ihn und einige wenige Tage einen Ozean ĂŒberquere. Ein zweiter Sohn, der eigentlich heute mit im Flieger sitzen sollte, habe vergessen, zeitig seinen Pass zu erneuern. Deswegen reise sie nun allein. Bei laufendem Film blĂ€ttert sie in einem ReisefĂŒhrer. Womit könnte man sich tagsĂŒber in New York die Zeit vertreiben? Im Geiste wartet sie schon auf den Abend, auf ihren Sohn. Einen Tag nur darf auch sie seine Hochschule betreten. FĂŒr diesen kurzen Besuch benötigt sie einen QR-Code, den ihr der Sohn bereits gemailt hat. In den USA, so fĂŒrchtet sie, I’ll have no longer access to my mail account! Wie kommt sie dennoch in die Colombia hinein? Stunde fĂŒr Stunde schwindet hoch oben in der Luft die Hoffnung auf einen Tag in der NĂ€he ihres Sohnes. Wenigstens einen. Ihre Praxis liegt in Bozen. Lukrativ, aber sehr einsam. Die Menschen dort ziehen sich in ihre HĂ€user zurĂŒck, sagt sie. Grenzen sich ab. Ganz anders als in Italien. Das GeblĂ€se blĂ€st weiter KĂ€lte in die Kabine.

    Der Flug verlĂ€uft ruhig. Nach und nach wird es sogar wĂ€rmer. Schon zeigt der Horizont Lichter. Druck auf den Ohren. Harte Landung, wenig Rangiererei. Thank you for flying with Lufthansa. Die Schlange vor der Passkontrolle scheint zunĂ€chst entmutigend. FĂŒr die biologische Uhr geht’s bereits auf 3 Uhr nachts. Fingerprints, auch der Daumen bitte. Die allseits Ă€ngstlich bereitgehaltenen Ausdrucke der Einreisegenehmigung werden abgewunken. „We got you already“. Biometrische Gesichtserkennung, Namen 
 und alle weiteren Details sind bereits im Rechner. Keine Zollkontrolle, „Welcome to the United States of America“ und schon stehen wir am Ausgang, an dem sich große SUVs mehrreihig stauen um Ankömmlinge abzuholen. Hier in New York ist es noch frĂŒher Abend.

    Gemeinsam mit der Ärztin nehmen wir ein Taxi, zunĂ€chst nach Brooklyn. FĂŒr sie geht es weiter nach Manhattan. Mit dem Fahrer ist VerstĂ€ndigung kaum möglich, eine dicke Covid-Plastikwand lĂ€ĂŸt neben Viren auch Sprachfetzen beiderseits abprallen. Draußen ziehen weitrĂ€umige, hell erleuchtete Großbaustellen vorbei, drinnen ziehen Werbeclips auf einem kleinen, in die Plastikwand eingelassenen Bildschirm magisch die Blicke auf sich. Vor allem Hundebabys, wechselweise aus Tierheimen oder beim Fressen flimmern uns Mitleid heischend an. Ein Nachklang der Covid-Zeit, wĂ€hrend der vor allem in den StĂ€dten die Anzahl der Haustiere sprunghaft gestiegen war – und danach die der ausgesetzten.

    Macon Street, Brooklyn. Wir zahlen das erste Mal in Dollar und stehen vor unserer abendlich stillen Unterkunft, einem der typischen ReihenhĂ€user mit steilen Treppen hoch zum klassizistischen Eingang. Mit einem Zahlencode gesicherte KĂ€stchen hĂ€ngen an den Gittern der VorgĂ€rten. Darin die HaustĂŒrschlĂŒssel. Nur vier Zahlen öffnen uns das Haus. Die WohnungstĂŒren darin sind auf allen Etagen unverschlossen: Hier lebt eine Hausgemeinschaft. Unsere Gastgeberin ist derzeit in Deutschland. Ob wir die Wohnung auch abschließen könnten? „Sorry” schreibt sie, “I even don’t remember where I have put the key.” Dieter dreht vor dem Schlafengehen draußen noch eine Runde und fotografiert. NĂ€chtlich beleuchtete VorgĂ€rten.

    KĂŒrbisse, Skelette, Zuckerwatte-Spinngeweb. Halloween ist nah. Die Wahl ist nah. In Deutschland wĂ€re es nun 5:00 Uhr morgens, Zeit ein wenig auszuruhen.

  • Prolog

    September 2024. Die ganze Welt schaut seit Monaten auf die kommende Wahl in den USA. Die extremen Zuspitzungen, die den Wahlkampf beherrschen, sind irritierend. Die Berichterstattung unserer Leitmedien lÀsst zu viele Fragen offen, insbesondere angesichts der zu erwartenden, einschneidenden Folgen, die der Wahlausgang auf die Weltpolitik und auf uns in Europa haben wird.

    So erkenntnisreich manche der Lageanalysen auch sind, stets werfen sie neue, weiterreichende Fragen auf, die auf Kernfragen der demokratischen Legitimation dieser fĂŒhrenden Weltmacht zielen. Unsere gefĂŒhlte Unsicherheit wĂ€chst, je nĂ€her der Tag der Entscheidung heranrĂŒckt. Im Grunde mĂŒssen wir uns eingestehen, trotz formeller NĂ€he zu diesem Land und enger Verbindung unserer Kulturen viel zu wenig zu verstehen, was jenseits der großen Linien politischer Auseinandersetzungen die Menschen wirklich bewegt. Wie sehen sie die Zukunft ihres Landes, seine kĂŒnftige Rolle inmitten der herrschenden Krisen und Kriege? Welche TrĂ€ume haben Sie von ihrem Leben, welche Sorgen und Nöte bestimmen ihren Alltag?

    Seit Monaten reift daher unsere Idee, in den historischen Tagen dieser Wahl selbst am Ort des Geschehens zu sein, um uns mit eigenen Augen ein Bild zu machen. In Vorbereitung dieses Projekts nehmen wir Kontakt zu politischen Organisationen, Institutionen und anderen Akteuren auf. Im Focus stehen zum einen die wahlentscheidenden Swing States. Zum anderen beschĂ€ftigt uns die im deutschen Diskurs unterbelichtete Frage: Welchen Einfluss haben links-progressive Bewegungen und Organisationen auf den Ausgang dieser Wahl und welche Vorstellungen haben sie fĂŒr die Zeit danach? 

    16 Tage vor der Wahl sind wir nun in die USA aufgebrochen. In direkter Begegnung mit den Menschen beeindrucken uns Vielfalt ihrer kulturellen Eigenarten ebenso wie unkonventionelle Strategien der AlltagsbewÀltigung. Die vehementen Spannungen gesellschaftlicher Polarisierung des Landes spiegeln sich in aktuellen PhÀnomenen facettenreich wider.

    Dieser Blog ist eine schrittweise AnnĂ€herung an ein emphatisches VerstĂ€ndnis ihrer derzeitigen Herausforderungen. Die Sorge, durch politische Äusserungen ins mediale Kreuzfeuer zu geraten, schreckt hier derzeit viele ab, sich vor laufender Kamera zu Ă€ußern. Durch die, diesen Bedenken angepasste Form – einer Mischung aus Texten, Bildern und Audioaufnahmen – erhoffen wir uns, Interessierte in den – fĂŒr Amerika historisch gesehen wegweisenden Wochen möglichst zeitnah an unseren Beobachtungen teilhaben zu lassen


    Im Wettrennen mit den wenigen verbleibenden Tagen werden wir zeitaufwĂ€ndigeres Material wie Ton- und Videoschnitt zum Teil etwas zurĂŒckstellen und erst spĂ€ter als link in den Blog einfĂŒgen können. Weiteres Bildmaterial zu den hiesigen TextbeitrĂ€gen findet ihr aktualisiert unter unserem gleichnamigen Account „USA2025whatsleft“ auf Instagram sowie Youtube.