27. Oktober, noch 9 Tage bis zur Wahl
Heute nehmen wir uns Zeit für Organisation und Aufarbeitung. Zumindest am Abend muss etwas Warmes her, unsere Bleibe hat keine Küche. Die Fox-Pizza-Filiale um die Ecke bietet Pizzas bis zum XXL-Format.


Die Wände sind dekoriert mit Danksagungen von Baseballmannschaften an den Sponsoren: Fox Pizza subventioniert den Sport, auf den diese Stadt ganz besonders stolz ist. Es gibt kaum Laufkundschaft, dennoch herrscht große Geschäftigkeit. Der Großteil wird online bestellt. Beim Kassieren des Kunden vor uns entdecken wir auf dem Tresen eine ungewöhnliche, überdimensionierte Spardose mit der Aufschrift:
YOUR TIPS help keep us from a life in CRIME.
Die Zahlung des Kunden geht nicht vollständig in die Kasse. Vielmehr zweigt der Pizzabäcker einen Teil des Zahlbetrags ab, und steckt ihn als „Tip“ in den handgeschnitzten Schlitz der Plastikdose. Falls der Kunde selbst ein Trinkgeld gibt, wirft er es zusätzlich in die Dose. Auf die Frage, was es mit diesen, aus dem regulären Umsatz generierten „Eigenspenden“ auf sich habe, berichtet er: Am Ende des Arbeitstags würde der Inhalt der Spardose unter den Angestellten geteilt.
Wie ist das zu verstehen? Was immer das Kalkül des Arbeitgebers sein mag: Faktisch sorgt er zum einen dafür, dass der (wahrscheinlich geringe) reguläre Lohn aufgebessert wird, jedoch, und das ist der Kniff, quasi außertariflich, also ohne vertraglich gesichert zu sein. Zweitens ist dieser Zuverdienst an den Umsatz gekoppelt, an schlechteren Tagen ist automatisch auch der „Tip“ schlechter. Und drittens erhöht sich damit für die Angestellten eine psychologische Barriere gegenüber eventuellen Versuchungen, sich ab und an individuell selbst an der Kasse zu bedienen. Oder besser gesagt: Das Arrangement soll gemäß der Auschrift auf der Dose helfen, die Pizzabäcker vor einem Abstieg in die Kriminalität zu bewahren.

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